Selbstbewusstsein muss her!

100 Jahre lang haben engagierte Schweizerinnen auf das Frauenstimm- und Wahlrecht hingearbeitet, dass EINZIG in der direkten Konfrontation mit den Schweizern, nämlich mit einem Urnengang des männlichen «Souveräns» entschieden werden konnte. Anders als im Ausland, wo dieses Recht – und zwar NUR das Wahlrecht – den Frauen von einigen wenigen hochstehenden Männern meist in Krisenzeiten «gegeben» wurde. Der schweizerische Weg dauerte, bis nach unermüdlicher Arbeit und Ausprobieren verschiedener Taktiken die endlich erfolgreiche Strategie der Verweigerung gefunden wurde: die grossen Frauenverbände verhinderten, dass die von den Männern gewünschte Zivildienstordnung und Menschenrechtskonvention ohne Frauenstimm- und Wahlrecht eingeführt werden konnten und erreichten mit dieser «Erpressung» 1971 endlich, dass diese Frauenrechte vom «Souverän» akzeptiert werden mussten.

Doch nun jammern Schweizerinnen seit 50 Jahren, dass es so lange ging, ja sie schämen sich geradezu. Das muss aufhören. Das Jubiläum 2021 soll das wirklich Wichtige in den Vordergrund rücken: das Ringen dauerte zwar lange, war aber erfolgreich und aus eigener Kraft und es schuf eine eigene, auf sich selbst aufbauende und unverwechselbare Geschichte der Schweizerinnen.

Nur wer eine Gruppe erniedrigen will, macht sie unbedeutend, lächerlich oder stellt sie als ewigen Verlierer dar. Schweizer Frauen wollen eine andere Geschichte: eine, die zu Recht auf die stolze Vergangenheit hinweist und selbstbewusst macht.

Franziska Rogger: Gebt den Schweizerinnen ihre Geschichte. https://franziskarogger.com/ und https://hommage2021.ch/geschichte

*Porträtbild von Yoshiko Kusano