Die Verweigerung des Frauenstimmrechts – zur Bedeutung der Einsicht in historisches Unrecht

Das Wissen über die Vergangenheit ist für das Verständnis der Gegenwart unabdingbar. Diese Einsicht ist inzwischen für viele selbstverständlich. Schliesslich wirkt die Vergangenheit in der Gegenwart nach und beeinflusst, was in ihr denk-, sag- und lebbar ist. Weniger selbstverständlich scheint noch immer die Erkenntnis, dass auch vergangenes Unrecht die Gegenwart prägt, sich gar in ihr fortsetzt und dies umso mehr, wenn es nicht als solches erkannt und anerkannt ist. Doch die Einsicht in historisches Unrecht ist für die Überwindung des Bestehenden unerlässlich.

Die Herausbildung einer nationalen Identität findet bis heute jedoch vor allem in Form eines positiven Selbstbildes statt – die Schweiz ist da keine Ausnahme. Dies hat sich an der Verdrängung begangenen Unrechts in der eigenen Kolonialgeschichte sowie im Zuge des zweiten Weltkriegs gezeigt oder am langen Schweigen über das Unrecht an den ‘Verdingkindern’. All dies als Unrecht anerkannt, würde erfordern, eine andere, neue Geschichte der Schweiz zu erzählen, eine, die nicht nur von Stolz über die eigenen (männlichen) Taten und Errungenschaften geprägt ist, die vielmehr auch über das Unrecht spricht, das getan wurde und bis heute fortwirkt. Zudem gälte es, das beharrliche Bedürfnis nach positiver Selbstinszenierung kritisch zu reflektieren. Ein solcher Schritt würde allerdings die Fähigkeit fördern, nicht nur das Nachwirken vergangenen Unrechts zu erkennen, sondern auch gegenwärtiges.

Auch in der aktuellen Diskussion, ob die Verweigerung des Frauenstimmrechts nun Unrecht war oder nicht, überwiegt das Bedürfnis, die letztendliche Zustimmung – wenn überhaupt – positiv als einen Akt der Gerechtigkeit zu bezeichnen. Schwer fällt es noch immer anzuerkennen, dass die Verweigerung ein Verstoss gegen die Gerechtigkeit, also ungerecht, ja möglicherweise gar Unrecht war. Noch immer überwiegt das Bedürfnis bei vielen Männern* nach Abwehr von Verantwortung.

„Die Verhältnisse waren damals halt so!“ gehört zu den dominierenden Sätzen. Doch sich dem Zeitgeist zu fügen, macht Unrecht verständlicher, aber nicht rechtens. Zudem, haben bislang nicht vor allem Männer* die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmt? Das ist, so Roger Köppel, „der Irrtum des Jahrhunderts“. Im Gegenteil, „Frauen regieren die Welt“ (Die Weltwoche NZZ 11.02.21). Sie selbst haben deshalb das Stimmrecht auch gar nicht gewollt. Die vielen Frauen, die über Jahrzehnte immer wieder erneut für das Stimmrecht gekämpft haben, diesem Kampf teilweise ihr ganzes Leben gewidmet haben, zählen für Köppel nicht. Die Aussage seiner Mutter ist ausreichender Beweis. Sicherlich ist dies nicht ganz ernst gemeint, oder doch?

Symptomatisch ist diese Argumentation trotz allem: Noch immer besteht bei vielen Männern* kein Unrechtsbewusstsein. Dass den Frauen* durch die Verweigerung des Stimmrechts Unrecht angetan wurde, weisen sie weiterhin zurück. – Allerdings werden die, die das Unrecht anerkennen, stetig mehr.

Dass es Unrecht war, war erkennbar, wenn man(n) es wollte. So entstand zeitgleich mit der Formulierung der Menschenrechte eine Fülle an Texten, in denen mit grossem Aufwand nicht nur eine natürliche Überlegenheit der Männer* behauptet, sondern auch mit der angeblichen Minderwertigkeit der Frauen* ihr Ausschluss aus den Menschen- und Bürgerrechten legitimiert wurde. Schon die Vielzahl der Texte hätte stutzig machen können. Allemal zeigt es, schon damals bedurfte es der ausführlichen Rechtfertigung, Frauen aber auch andere Menschen wie Schwarze oder Indigene nicht als gleichwertige Menschen anzuerkennen und ihnen daher gleiche Rechte zu verweigern. Massstab für ihre angebliche Minderwertigkeit war der bürgerliche weisse heterosexuelle Mann. Nicht umsonst ist in vielen Sprachen das Wort Mann und Mensch identisch.

Selbst noch in der Botschaft des Bundesrates von 1957 findet sich diese Logik. So wird betont, „nur Gleiches muss nach dem Prinzip der Rechtsgleichheit gleich, Ungleiches muss aber ungleich behandelt werden“ (ebd.:767f.). Inzwischen zeigt sich allerdings, wird festgestellt, dass die zuvor erheblichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufgrund der zunehmenden Bildung von Frauen*, ihrer Erwerbstätigkeit und ihren öffentlichen Tätigkeiten nicht mehr bestehen. Eine Ungleichbehandlung der Frauen* lässt sich daher nicht mehr rechtfertigen. Das heisst: eine weitere Verweigerung verstösst nun vielmehr gegen das Prinzip der Rechtsgleichheit und ist nun rechtlich gesehen Unrecht. Massstab, so wird deutlich, für die Bestimmung der Gleichwertigkeit der Frau* ist der Mann*, seine Fähigkeiten und Tätigkeiten. Die grundlegende Entwertung sogenannter typisch weiblicher Sorgetätigkeiten, wie sie mit der bürgerlich patriarchalen Geschlechterordnung verbunden ist, setzt sich selbst in der Botschaft des Bundesrates fort. Obwohl gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten gelten sie am männlichen Massstab gemessen nicht als gleichwertig und genügen daher nicht, um Frauen* als gleichwertige Menschen mit gleichen Rechten anzuerkennen. Sie müssen vielmehr den Männern* ähnlich werden, ihnen gleich werden, um gleiche Rechte zu erwerben. Erst dann ist die Einführung des Frauenstimmrechtes ein Gebot sowohl der Rechtsgleichheit als auch der Gerechtigkeit und der Demokratie ist (ebd. 767). Und dies im Übrigen selbst dann, wird betont, wenn die Frauen das Stimmrecht selbst nicht wollten.

Wie zu Beginn angesprochen: Die Anerkennung historischen Unrechts ist unerlässlich, nicht nur um das Fortwirken des Unrechts in der Gegenwart zu erkennen, sondern auch seine innere Logik. So wird deutlich, die tatsächliche Gleichstellung der Frauen* und damit die Überwindung jeglicher Form der Diskriminierung von Frauen* wird nur erreicht, wenn diese herrschende Logik durchbrochen wird, nach der nur Menschen, die als Gleiche (im Sinne von identisch) angesehen werden, als Menschen mit gleichen Rechten anerkannt werden. Die Herstellung tatsächlicher Gleichstellung der Frauen*, aber auch der Menschen überhaupt bedarf vielmehr einer nicht-hierarchisierenden Anerkennung in ihrer jeweiligen Verschiedenheit.1

[1] Das Manifest CH2021 «Dampf machen» fordert daher eine entsprechende bewusste Planung der tatsächlichen Gleichstellung für die Zukunft.

 

 

 

 

 

Prosit 2021! Stossen wir auf unser Geschichtsbewusstsein an!

Es ist noch jung, das Jahr. Doch erste Medien stimmen sich bereits auf den 50. Jahrestag der Abstimmung vom 7. Februar 1971 ein: Das Männermehr sagte Ja zum Stimm- und Wahlrecht für die Schweizerinnen auf Bundesebene. Genau einen Monat später, am 7. März, konnten sie erstmals zur Urne. Es erwarten uns also noch weitere Gedenktage, an denen vor 50 Jahren irgendetwas zum ersten Mal passierte. Die einjährige Auffrischung zur jüngeren Schweizer Geschichte möge im ganzen Land gut ankommen.

„Frauen.Stimm.Recht“ titelt der Chefredaktor eines Wochenmagazins in seinem letzten Editorial. Um dann die Länder Estland, Armenien und Kirgisistan aufzuzählen, wo Frauen gut doppelt so lang über politische Rechte verfügen wie hierzulande. „Kein Ruhmesblatt also für…“

Ich erzähle meinem Partner von meiner Lektüre und frage: „Was denkst du, wie geht der Satz weiter?“ Er: „Na ja, so schwierig ist das nicht. Kein Ruhmesblatt für die Schweiz? – …für die Schweizer? – …für die Schweizer Männer?“ Ich verneine jedes Mal. Er ist nun doch etwas überrascht: „Sag schon.“ Ich: „Kein Ruhmesblatt also für Mutter Helvetia.“ Wir müssen lachen. Doch gleichzeitig denke ich an meine Lieblings-Linguistin Luise F. Pusch und ihre anschauliche Analyse, die in vielen Zusammenhängen gilt. Sie nennt es „die Vaporisierung des handelnden Subjekts“.

Die Zeitschrift „Bildung Schweiz“ nimmt ebenfalls Bezug auf unsere bekannte allegorische Symbolfigur. Der Beitrag „Ein halbes Jahrhundert Helvetia“ liefert eine Zusammenstellung über das vielfältige Engagement – zeitgeschichtlich und gegenwärtig – zur Thematik und zudem einige Hinweise und Links, die für den Unterricht dienlich sein können.

Ich stutze. Helvetia geht weit zurück, bis in die keltische Zeit, erinnere ich mich. Mit der Gründung der Helvetischen Republik 1798-1803 taucht der alte Bezug wieder auf. „Helvetia ist die vom Volksstamm der Helvetier abgeleitete neulateinische Bezeichnung für die Schweiz und eine allegorische Frauenfigur, welche die Schweiz bzw. die Eidgenossenschaft versinnbildlicht“, heisst es bei Wikipedia. Seit der Gründung des Bundesstaats 1848 heisst die Schweiz – offiziell und alle Landessprachen umspannend – auch Confoederatio Helvetica. So wird Helvetia, schon ab 1850 auf dem Zweifränkler, zum Bild für die Einheit des modernen Bundesstaates, der gerade aus dem Staatenbund entstanden war.

Foto: Tula Roy, Titelbild der Chronik 1916-1991 von Anneliese Villard-Traber „Weit gebracht?“ mit der Helvetia-Skulptur der Basler Künstlerin Bettina Eichin, hg. von der Vereinigung für Frauenrechte Basel, 1992

Helvetia steht für die ganze Eidgenossenschaft – möchte man meinen. Weist der Titel „Ein halbes Jahrhundert Helvetia“ nicht auch auf die Zeit davor, auf den mehr als 120-jährigen Ausschluss der Frauen von der politischen Partizipation? Ich möchte in der Aussage gerne lesen, dass es erst seit einem halben Jahrhundert angebracht, mehr noch, legitim ist, von einer Demokratie zu sprechen; Helvetia bestätigt es.

Wer die Begriffe Demokratie und Männerdemokratie als Synonym versteht, wird vermutlich kaum über den Unterschied nachdenken. Doch die politische Gleichberechtigung ist nicht allein für die Frauen wichtig, sie ist auch eine Notwendigkeit für eine Demokratie, die diese Bezeichnung verdient und in der eine pluralistischere Politik zum Tragen kommen kann als im Männerstaat; dass Frauen die Mehrheit sind, sei auch wieder einmal gesagt.

Es gilt ja heute nicht mehr als zeitgemäss, zwischen den beiden häufigsten Geschlechtern zu unterscheiden. Doch wenn die einen sich während der längsten Zeit politisch beteiligen konnten und die anderen nicht, dann gibt es halt eine Trennlinie. Diese Beteiligung ist ein Menschenrecht. Wir freuen uns also über unsere staatspolitische Menschwerdung vor fünfzig Jahren.

Der Schreiber der Titelgeschichte „50 Jahre? – Stimmt!“ in dem anfangs erwähnten Magazin freut sich anscheinend auch. Sein Blick auf die Zeit vor 1971 bleibt hingegen unbeirrt; gelernt ist gelernt: „Von nun an dürfen die Frauen – endlich! – auch in der demokratischsten aller Demokratien zur Urne schreiten …“

Über Ingrid Rusterholtz

Ingrid Rusterholtz, 1949, Lehrerin und Heilpädagogin, Dozentin, Gleichstellungsbeauftragte Basel-Stadt. Mit meinem Lebens- und Sharing-Partner zwei Töchter 1980/1982 und drei Grosskinder. Kurse, Referate, Aufsätze im Themenspektrum Schule, Sprache, Gewalt,  un-/bezahlte Arbeit, Gender und Perspektive.

 

 

 

 

 

Sorry für das späte Frauenstimmrecht

Im eben angelaufenen Jahr wird man sich eingehend damit befassen, dass vor 50 Jahren – endlich – auch in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. Dabei wird man nicht nur jubilieren, sondern sich hoffentlich auch vergegenwärtigen, was die Gründe dafür waren, dass diese Reform derart spät zustande kam. Und dabei sollte man bis zur Frage vorstossen, ob ähnliche mentale Blockaden noch immer bestehen und weiterwirken, natürlich im eng verwandten Fragen wie Chancen- und Lohngleichheit, aber auch in anderen Reformfragen, die heute ebenfalls in der politischen Agenda stehen und auf die lange Bank geschoben werden. Der Typus der 323’882 Stimmberechtigten (immerhin 34,3%), der selbst am 7. Februar 1971 noch immer gegen die längst fällige war, ist nicht ausgestorben.

Seit einigen Jahren ist es üblich – und das ist eine gute und zugleich fragwürdige Gepflogenheit -, sich für Fehlverhalten früherer Generationen zu entschuldigen. Dabei geht es um gravierende Verstösse gegen heutige Rechtsvorstellungen, und dabei ist es wichtig, wer sich entschuldigt – nicht einfach eine Privatperson oder ein Repräsentant einer halböffentlichen Vereinigung. Entschuldigungen werden von Offizialpersonen abgegeben und erwartet, von Regierungsmitgliedern und kirchlichen Würdenträgern.

Diese neue Gepflogenheit hat auch die Schweiz erfasst. 1995 hat sich Bundespräsident Kaspar Villiger für die schweizerische Mitwirkung an der antisemitischen Passmarkierung (Stichwort: J-Stempel 1938) entschuldigt und dafür Anerkennung wie Kritik geerntet. Weniger bekannt ist die Entschuldigung, die Bundespräsident Alphons Egli bereits 1986 im Nationalrat für das den Jenischen angetane Unrecht abgegeben hat (Stichwort: Kinder der Landstrasse). Diesem Akt folgten die Entschuldigungen der beiden Bundesrätinnen Eveline Widmer-Schlumpf im September 2010 und Simonetta Sommaruga im April 2013 wegen der Heim- und Verdingkinderpraxis, nicht wie im Fall Eglis in einer laufenden Parlamentsverhandlung, sondern in einem speziellen Auftritt und auch in Gegenwart von Opfern. Die bundesrätlichen Entschuldigungen erschienen als persönliche Auftritte und nicht als Akte der Gesamtregierung, obwohl sie in zwei Fällen von bundespräsidialer Warte und 1995 ausdrücklich im Namen «des Bundesrats» ausgingen.

Ein Blick auf die von Bundespräsident Egli gewählte Formulierung macht zwei besondere Aspekte sichtbar: Die Entschuldigung galt Vorkommnissen, die «vor mehr als zehn Jahren» passierten. Inhaltliche Distanzierungen können in dem Masse leichter fallen, als die Distanz zum Vorkommnis gross ist. Im Weiteren sprach Egli sein Bedauern für die Rolle des Bundes in dieser Angelegenheit aus und fuhr dann fort: „Ich scheue mich sogar nicht, mich in der Öffentlichkeit dafür zu entschuldigen…». Auf blosses Bedauern folgte – sogar – eine verbindlichere Entschuldigung. Im Japanischen soll es mindestens fünf Abstufungen von verbalen Verbeugungen geben (https://gogonihon.com/de/blog/sumimasen-oder-gomennasai-entschuldigung-auf-japanisch/).

In unseren Breitengraden kommt ein «T’schuldigung» schnell über unsere Lippen und entspringt oft nicht wirklichem Bedauern und will auf billige Weise das Gegenüber verpflichten, die Sache nicht tragisch zu nehmen (Stichwort: Löschtaste). Streng genommen kann im Grunde nur das Gegenüber entschuldigen, das reflexive «sich» ist eigentlich anmassend.

Bereits im Hinblick auf die erste gesamtschweizerische Abstimmung zur Einführung des Frauenstimmrechts haben 1958 beide noch männlich zusammengesetzte Kammern mit einem überwältigenden Mehr für die Aufhebung der politischen Frauendiskriminierung gestimmt (im Nationalrat mit 96:43 und im Ständerat mit 25:12 Stimmen). Einige dieser Volks- und Kantonsvertreter stimmten allerding nur darum dafür, weil sie davon ausgingen, dass bei der Volksabstimmung schon ein ablehnendes Votum rauskommen und damit für einige Zeit in dieser lästigen Sache wieder Ruhe eintreten wird. Wie das Nein vom 1. Februar 1959 zeigte, sollten sie Recht bekommen.

Zu einer formellen Entschuldigung für die jahrelange Rechtlosigkeit in politischen Dingen wird es anlässlich des 50 Jahr-Jubiläums wohl nicht kommen, hingegen zu mehr oder weniger ehrlichen Bekundungen des Bedauerns. Was man aber machen könnte: Man könnte alle Männer des heutigen National- und Ständerats in einer „konsultativen“ Abstimmung nochmals über die Einführung des Frauenstimmrechts entscheiden und ernsthaft darüber nachdenken lassen, ob sie und warum sie 1958 allenfalls dagegen gewesen wären und ob heute der Meinung sind, dass ein Nein schon damals eindeutig und zutiefst ungehörig war.

Über Georg Kreis

Georg Kreis, em. Prof. für Geschichte der Universität Basel und Herausgeber des Buches „Das Basler Frauenstimmrecht. Der lange Weg zur politischen Gleichberechtigung von 1966.“ Christoph Merian-Verlag 2016. 

 

Die Männer waren das Nadelöhr

Warum stimmten zwei Drittel des Männervolks 1959 gegen das Frauenstimmrecht? Wie erklärt es sich, dass zwölf Jahre später zwei Drittel der Männer dafür waren? Das sind die beiden Schlüsselfragen, um für den Schweizer Sonderfall eine Erklärung zu finden. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs kannten auch andere europäischen Länder, insbesondere die drei katholischen Frankreich (1944), Italien (1946) und Belgien (1948), kein Frauenstimmrecht. Der Sonderfall beginnt gleich danach. Dazu gehörten noch eine faschistische Diktatur (Portugal, 1974) und ein reaktionäres Fürstentum (Lichtenstein, 1984).

Regression zwischen 1929 und 1959

Die Frage nach dem eidgenössischen Sonderfall wird noch schärfer angesichts der Tatsache, dass die Schweiz 1929 dem Frauenstimmrecht näher stand als 1959. 1929 kamen für eine von 13 Frauenverbänden gestartete und den beiden Linksparteien unterstützte Petition 250‘000 Unterschriften zusammen. Das entspräche heute 600‘000 Unterschriften. Gut 170‘000 Frauen und knapp 80‘000 Männer hatten unterschrieben. Das Frauenstimmrecht dürfte zwar auch 1929 an einer Mehrheit der Stimmen und erst recht der Stände gescheitert sein. Aber das Resultat wäre nicht so katastrophal ausgefallen wie dreissig Jahre später.

Was ist in der Zwischenzeit passiert? Eine erste Regression bedeutete die Infragestellung der weiblichen Berufstätigkeit in den 1930er Jahren. So führten die Katholisch-Konservativen eine Kampagne gegen das „Doppelverdienertum“ durch. Jungkonservative wollten den Frauen die ausserhäusliche Arbeit völlig verbieten. Der Katholische Frauenbund, der selber das Frauenstimmrecht ablehnte, war über die eigene Parteijugend derart entsetzt, dass er sie mit den „Herrenmenschen Mussolinis“ und „Hitler-Deutschland“ verglich. Aber etliche der Jungen der 1930er Jahre waren die Politiker der 1950er Jahre.

Während des Krieges wurde die faktisch gestiegene Berufstätigkeit der Frauen statistisch unterschlagen. Diese fand vor allem in karitativen Bereichen und in der Landwirtschaft statt oder war Teilzeitarbeit. Die Basler Historikerin Regina Wecker verbindet die Verschleierung der weiblichen Leistungen und die Überbetonung der männlichen mit der Verschleierung der „Nützlichkeit für den Gegner“ und der Überbetonung der militärischen „Abwehr gegen den Feind“. Der Rückzug ins Reduit, der aus dem meisten Grenzsoldaten wieder Arbeiter und Angestellte machte, diente nicht zuletzt der „Aufrechterhaltung der (Geschlechter-)Ordnung“. Ein „stärkerer“ und damit „sichtbarerer Einbezug von Frauen in die marktorientierte Wirtschaft hätte sowohl die männliche Hegemonie gefährdet, als auch die Siegerpose der Armee unglaubwürdig gemacht.“

Wehrmann und Hausfrau

Die Lebenslüge der Nachkriegs-Schweiz, sie verdanke ihre Verschonung primär der militärischen Abwehrbereitschaft und nicht der wirtschaftlichen Kollaboration, hängt eng mit der verschärften Ausgrenzung der Frauen zusammen. Zudem erlaubte es das Reduit, die Einheit von Männer-Staat und Männer-Heer und den Gegensatz von Wehrmann und Hausfrau im Kalten Krieg zu reaktivieren.

Der Bundesrat brachte diese Geschlechtertrennung 1958 in seiner Botschaft zum Frauenstimmrecht auf den Punkt: „Das Stimmrecht wird als Korrelat der Wehrpflicht aufgefasst.“ Unter Verweis auf die Landsgemeinde schreibt er weiter: „An ihr konnte nämlich nur der waffenfähige Bürger mitreden. Da als waffenfähig der Mann allein galt, konnte nur er als stimm- und wahlberechtigt angesehen werden.“ Diese Ideologie, die ein fester Bestandteil der Geistigen Landesverteidigung war, war in der Romandie viel schwächer verankert. Hier liegt die Haupterklärung für die Ja-Mehrheiten in den Kantonen Genf, Waadt und Neuenburg.

Neben dem grossen Röstigraben gab es einen – allerdings kleineren – Konfessionsgraben. Bei einem durchschnittlichen Ja-Anteil von 33,1 Prozent lag der protestantische bei gut 37% und der katholische bei etwa 25%. Bei den Katholiken, deren Kirche selbst in den Städten immer noch im Dorf stand, wirkte das, was der nationalrätliche Hauptsprecher gegen das Frauenstimmrecht so formulierte: „Der männliche Priesterstand schliesst in allen Graden und Funktionen die Frau aus“.

Krise von Militarismus und Männlichkeit

Ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre erfahren sowohl der Militarismus als auch der Klerikalismus eine Aufweichung. Es ist kein Zufall, nimmt die Zahl der Militärverweigerer zwischen 1966 und 1971 ebenso spektakulär zu wie die der männlichen Frauenstimmrechtsbefürworter. Die Zahl der Verweigerer wuchs von 40 (1965) auf 122 (1966) und steigerte sich bis 1971 auf 227. Wie dramatisch die Erosion der Einheit von Bürgersoldat und Männlichkeit war, zeigen die zahllosen Konflikte um die Haarlänge im Militär und im Zivilen. Lange Haare waren der doppelte Beweis für eine unmilitärisch-weibliche Haltung und für eine armeekritische Einstellung. Die Schweizer Männer wurden reif für das Frauenstimmrecht, als sie begannen, längere Haare zu tragen. Gemäss bundesrätlicher Einschätzung vom Sommer 1969 seien „bei den Jungen wohl 90% oder noch mehr für das Frauenstimmrecht“.

Innerhalb des Katholizismus kam es zwar nicht zur kirchlichen Gleichberechtigung der Frauen, aber zu einer allgemeinen Liberalisierung. Und diese fand ihren stärksten Ausdruck in der Stimmrechtsfrage. Der Ja-Anteil der katholischen Männer stieg zwischen 1959 und 1971 von 25% auf gut 60%. Damit lag er immer noch unter dem Durchschnitt von 65,7%, aber der konfessionelle Graben war kleiner geworden. Immer noch gross war der Sprachengraben. Lag der Ja-Anteil 1971 in der Romandie deutlich über 80 Prozent, gelangte in der Deutschschweiz nur Baselstadt auf diese Höhe.

Für den spektakulären Ja-Sprung von 33,1 Prozent auf 65,7 Prozent innert zwölf Jahren werden auch andere Erklärungen vorgebracht. Die am stärksten verbreitete ist gleichzeitig die falscheste: die Modernisierung von Haushalt und Arbeit. Die weibliche Berufstätigkeit war seit den 1880er Jahren nie so tief wie 1971. Sie betrug bloss 28 Prozent, obwohl die Ausländerinnen, die zur drei Vierteln berufstätig waren, den Durchschnitt anhoben. Wer das deutliche Ja zum Frauenstimmrecht 1971 mit strukturellen Veränderungen in der Frauenwelt erklärt, ist daran zu erinnern, dass die meisten Frauen bereits in den 1950er, wahrscheinlich schon in den späten 1920er Jahren für das Frauenstimmrecht waren. Das „Nadelöhr“ für das Frauenstimmrecht bildeten, wie das Peter von Roten, der Ehemann der „Laufgitter“-Autorin Iris von Roten, schon in den 1950er Jahren betont hat, die Männer.

Über Josef Lang:

Josef Lang, alt Nationalrat, Historiker, Dr. Phil. Er veröffentlichte im Mai 2020 das Buch „Demokratie in der Schweiz“ (Verlag Hier und Jetzt), das dem Kampf um das Frauenstimmrecht breiten Platz einräumt.

Ein neuer Roman inspiriert durch die Geschichte von Schweizer Frauen

«Die Vergangenheit ist ein fremdes Land; dort gelten andere Regeln.» Dieses berühmte Zitat von L.P. Hartley entspricht bis zu einem gewissen Punkt der Wahrheit, aber Dinge, die seit Menschengedenken geschehen sind, sind nicht wirklich fremd oder vergangen. Denken wir an all die Personen, welche in einer Schweiz aufgewachsen sind, in der es für Frauen völlig normal war, nicht abzustimmen, nicht über ihr eigenes Geld bestimmen zu können oder im öffentlichen Leben sichtbar zu sein.

Mein Roman «Der Tag, an dem die Männer Nein sagten», spielt sich am 1. Februar 1959 ab –  an dem Tag, an dem die Männer eine Abstimmung über das Frauenstimmrecht abgelehnt haben. Das Parlament hatte im Jahr 1958 der längst fälligen Einführung des Frauenstimmrechts bereits zugestimmt, aber es brauchte auch die Zustimmung des Schweizer Stimmvolkes. Entgegen dem Willen des Parlaments scheiterte die Abstimmung mit 66.9% Nein-Stimmen.

Ich wohne seit 2003 in der Schweiz und in meiner Tätigkeit als Journalistin haben sich mir gegenüber viele ältere Leute – Frauen und Männer – betreffend ihrer Erfahrungen mit Ausgrenzung in dieser Ära geöffnet. Nun ist mein Interesse aber nicht nur beruflicher Art.  Ich diskutiere diese Themen immer wieder gerne in meinem Privatleben mit Freunden und Familie. Einmal hat mich eine Frau auf der Strasse angehalten, um meine Zwillingsmädchen zu bewundern. Schnell waren wir in ein Gespräch verwickelt. Sie hat mir gesagt, sie sei auch ein Zwilling, in den fünfziger Jahren geboren. Ihre Eltern hatten sie als Baby in ein Kinderheim gesandt, weil ihre Mutter es nicht bewältigen konnte, sich um zwei Säuglinge zu kümmern. Die Frau hat sich immer gefragt: «Wieso ich und nicht meine Schwester?». In ihrem Fall war Armut wahrscheinlich die Antwort darauf, aber viele andere Menschen haben wegen starrem Denken und systematischer Diskriminierung gelitten.

Mein Roman ist zum Teil von der Schweizer Feministinnen-Ikone Iris von Roten inspiriert, die 1958 mit ihrem Buch «Frauen im Laufgitter» eine detaillierte Analyse der Schweizer Gesellschaft der 1950er-Jahre vorlegte. Als ich ihre Texte übersetzt habe, hat es mir geholfen, mich in die Lebensbedingungen meiner vier Hauptcharaktere hineinzuversetzen – eine Bauernfrau, ein «Bürofräulein», eine alleinerziehende Mutter Jenischer Abstammung und eine gebildete Berufsfrau. Anscheinend wird die französische Übersetzung von Frauen im Laufgitter nächstes Jahr erscheinen. Endlich!

Wenn wir über die Vergangenheit sprechen, ist es wichtig, Frauen nicht auf ihre Opferrolle zu reduzieren. Genau wie wir, konnten die Frauen von damals lieb oder egoistisch sein, realistisch oder idealistisch. Sie hatten Spass, hatten Liebesaffären und ihnen gefiel es, Mutter zu sein. Auch mir gefiel es, mich in ihre Situation hineinzuversetzen.

Da wir uns dem 50-jährigen Jubiläum des Frauenstimmrechts in der Schweiz nähern, ist es bedeutsam, sich zu überlegen, was es für Frauen hiess, so lange politisch ausgeschlossen zu sein. Geschichten erzählen ist eine wundervolle Art um bei Menschen Empathie und Verständnis für die damalige Situation von Frauen zu wecken. Aus diesem Grunde freue ich mich, dass mein Roman sowohl auf Französisch, Deutsch und Italienisch, als auch auf Englisch publiziert wird. Dies vor allem, um Schweizer Leserinnen und Leser zu erreichen. Um mehr über das Projekt zu erfahren und es zu unterstützen, können Sie einen Blick auf das Crowdfunding werfen, welches noch bis zum 22. Dezember andauert.

In meinem Sachbuch über die Schweiz, The Naked Swiss (Die wahre Schweiz / La Suisse mise à nu), habe ich ein Kapital der Situation der Frauen in der Schweiz gewidmet. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass nicht mehr so stark zwischen sogenannter Männer- und Frauensache unterschieden wird, wodurch Frauen und Männer ihre Horizonte auf erfüllende Art und Weise erweitern können. Die Schweiz darf in dieser Hinsicht jedoch sicher noch innovativer und genderkompetenter werden.

Über Clare O‘ Dea:

Bevor Clare O’Dea als Autorin mit «The Naked Swiss: A Nation Behind 10 Myths» (Die wahre Schweiz: Ein Volk und seine 10 Mythen / La Suisse mise à nu: Un peuple et ses 10 Myths) durchstartete, war sie zehn Jahren lang Journalistin bei der SRG SSR (swissinfo.ch). Die irische Doppelbürgerin und ehemalige Irish Times Journalistin wohnt auf der Sprachgrenze im Kanton Freiburg. «Der Tag, an dem die Männer Nein sagten» ist ihr erster Roman.

„…damit wir uns mit der Geschichte unserer Demokratie auseinandersetzen!“

Ein weiteres Buch zu «50 Jahre Frauenstimmrecht» ist druckfrisch erschienen im Limmat Verlag: 25 Frauen äussern sich zu Demokratie, Macht und Gleichberechtigung! Eine Kulturwissenschaftlerin und eine Journalistin haben diese Zeitzeugnisse zusammengetragen, Isabel Rohner in Berlin und Irène Schäppi in Zürich. Welche Absichten verfolgen sie mit diesem Buch, wie haben sie die Stimmen ausgewählt, warum haben sie das Buch zu zweit erarbeitet? Cécile Speitel hat mit den Herausgeberinnen via Zoom gesprochen.

Cécile Speitel: Isabel Rohner und Irène Schäppi, wie haben Sie sich für dieses Buch gefunden?

Isabel Rohner: Für mich war es wichtig, eine patente Partnerin zu finden, die ganz anders aufgestellt ist als ich, die nicht aus der Geschichtsforschung kommt, sondern aus dem Journalismus. Deshalb habe ich mich an Irène Schäppi gewendet.

CS: Und wie haben Sie, Irène Schäppi, reagiert?

Irène Schäppi: Ich freute mich sehr über ihre Anfrage, gleichzeitig hatte ich Riesenrespekt. Ich gelte in der Schweizer Journalismus-Szene nicht als Expertin für Frauenthemen, weil ich als Journalistin hauptberuflich Lifestyle-Themen betreue, aber privat habe ich mich immer dafür interessiert. An «50 Jahre Frauenstimmrecht» mitzuarbeiten, war und ist eine Möglichkeit, meinem Umfeld zu zeigen, dass noch anderes in mir steckt.

Isabel Rohner: Ich war der festen Überzeugung, ein solches Projekt darf nicht in der Academia stecken bleiben. Das Buch brauchte ein Herausgeberinnen-Team, das eine grosse Bandbreite abdeckt, weil feministische Themen, die Geschichte der Frauenbewegung, die Beschäftigung mit Demokratie und Frauenrechten, alle Frauen in der Schweiz betrifft. Wir wollten unsere beiden Stärken zusammenbringen.

CS: Sie haben aus vielen möglichen Namen 25 Frauen ausgewählt. Wie sind Sie mit Ihrem Anspruch auf eine grosse Bandbreite vorgegangen?

Irène Schäppi: Wir haben beide Vorschläge gemacht und uns aufgrund unserer sehr unterschiedlichen Hintergründe sowie Schwerpunkten dabei sehr gut ergänzt. Wir haben uns lange über jede einzelne Person unterhalten. Uns war wichtig, «jede» Frau an Bord zu bekommen –  ich versuche das mal pointiert auszudrücken: von der Oma bis zur Enkelin, egal welches Berufsfeld, welcher kultureller Hintergrund. Darum haben wir auch bestimmte Celebrities angefragt wie Christa Rigozzi, die frühere Miss Schweiz.

Isabel Rohner: Wir haben uns für die Bereiche Recht, Wirtschaft, Kultur, Politik, Journalismus und Diplomatie entschieden. Ich gestehe: Einige Frauen, die Irène vorgeschlagen hat und die wir jetzt im Buch haben, kannte ich gar nicht, weil ich seit zwanzig Jahren nicht mehr in der Schweiz lebe – und Irène ging es bei einigen meiner Vorschläge aus Wissenschaft und Wirtschaft genau so. Ich bin Irène enorm dankbar für diese Entdeckungen, z.B. Lea Lu, die grossartige Sängerin und Songwriterin, von der ich Fan geworden bin und die für unser Buch extra das Lied «We Have A Voice» geschrieben hat.

Foto: Claudio Strüby

CS: Die Moderatorin Christa Rigozzi stammt aus dem Tessin, die Verwaltungsrätin und Wissenschaftlerin Adrienne Corboud Fumagalli und ihre Tochter Clelia, Juristin – sie reden über Normen, Karriere und Familie – , kommen aus der Suisse Romande…  

Irène Schäppi: Wir haben sehr darauf geachtet, Frauen aus allen Landesteilen anzufragen. Aus Graubünden stammt Fanni Fetzer, die Direktorin vom Kunstmuseum Luzern. Es sind auch Personen dabei, die Migrationshintergrund haben oder mit mehreren Nationalitäten.

CS: In den verschiedenen Portraits, Gesprächen oder Text-Beiträgen ist mir das Wort «Vorurteil» oftmals aufgefallen. Die Frauen unterschiedlicher Generationen stellen fest, wie häufig Vorurteile in der Gesellschaft noch vorhanden sind gegenüber ihrem Auftreten, ihren Leistungen.

Isabel Rohner: Ja, Vorurteile gegenüber Frauen werden in vielen Beiträgen thematisiert. Ein anderer Aspekt, der mir bei unseren Begegnungen aufgefallen ist, ist Humor. Viele Frauen, gerade die Pionierinnen, die erste Bundesrätin Elisabeth Kopp oder die erste Bundesrichterin Margrith Bigler-Eggenberger, verfügen über einen ausgeprägten Humor. Bei den persönlichen Treffen haben wir auch nachgefragt, ob ihnen der Humor auf ihrem Weg geholfen hat  – und fast alle haben dies bejaht. Dieser Druck, der auf diesen ersten Frauen lastete, der war ja nochmals viel, viel stärker als der heutige Druck, den Frauen immer noch spüren. Aber allein zu sein, immer angegriffen zu werden, immer als anders wahrgenommen zu werden, immer als unterschiedlich zur Norm bewertet zu werden  Margrit Bigler-Eggenberger zum Beispiel hat als Bundesrichterin erlebt, dass Kollegen nicht mit ihr gesprochen haben, weil sie eine Frau war das sind Erfahrungen, die nur ganz starke Persönlichkeiten aushalten konnten. Und Persönlichkeiten mit Humor.

Irène Schäppi: Auch was Frauen heute noch aushalten müssen, hat mich aufgewühlt, z.B. Nathalie Wappler, die Direktorin Schweizer Radio und Fernsehen, im Vergleich dazu, wenn ein Mann an ihrer Stelle sitzen würde er würde nicht in diesem Ausmass kritisiert. Oder wie Lea Lou, die von der SVP als Kampagnengesicht missbraucht worden ist, das wäre einem männlichen Sänger niemals passiert, ich glaube nicht, dass Baschi oder Crimer damit hätten rechnen müssen. Ich finde es heftig, dass in der Schweiz, die sich fortschrittlich und betont demokratisch gibt, die «White Old Men» so stark verankert sind. Die Arbeit an diesem Buch hat mich ein bisschen aus der Bubble auftauchen und die Realität krass wahrnehmen lassen. Ich selbst bin durch die Arbeit an diesem Buch noch politischer geworden.

CS: Sie haben das Buch Ihren Müttern und Grossmüttern gewidmet…

Isabel Rohner: Ja, sehr bewusst. Wir verdanken unseren Müttern und Grossmüttern die Möglichkeiten, die wir heute haben. Wir wollen das Buch aber tatsächlich allen Frauen widmen. Wir wollten ein Buch machen, das nicht nur in feministischen Vereinen gelesen wird, sondern von einer breiten Öffentlichkeit. Das Buch nimmt die Leserinnen und Leser mit in die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Frauen in der Schweiz. Frauenrechte gehen wirklich alle an, Frauen wie Männer. Und Frauen ganz besonders sollten sich mit der Geschichte unserer Demokratie in der Schweiz auseinandersetzen, mit unseren Lebensbereichen, wo es immer noch eine grosse Rolle spielt, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Es betrifft wirklich alle, ob wir wollen oder nicht.

Irene Schäppi: Ich finde zudem, unser Buch inspiriert zum Lesen und sich Weiterbilden, dient aber auch als Nachschlagewerk oder einfach, um darin zu schmökern und Entdeckungen zu machen, wie etwa die Comics von Serpentina Hagner oder eindrückliche Zitate.

Isabel Rohner: Was uns wichtig war: Wir haben viele der Frauen auch nach ganz konkreten Tipps gefragt für den Alltag, für beruflichen Erfolg, für durchsetzungsfähiges Handeln in Männerrunden, Frauen aus der Wirtschaft wie Bea Knecht, aus der Filmbranche wie Petra Volpe oder aus der Politik wie Viola Amherd und Samira Marti. Viele unserer Beiträgerinnen haben aus ihrem jeweiligen Tätigkeitsfeld Empfehlungen zusammengestellt, die sie jüngeren Frauen weitergeben wollen. Die Leserinnen sollen konkrete Ermutigungen finden, um die Zukunft zu gestalten und sie zu verändern.

«Zeigt Mut. Werdet Expertinnen. Nutzt Werkzeuge. Kommuniziert direkt. Übt Resilienz.» Bea Knecht, Unternehmerin

«Die Geschichte der Frauen ist keine kleine Nebengeschichte. Das ist eine grosse Geschichte, die viel aussagt über unser Land.» Petra Volpe, Regisseurin

«Als ich Clownin werden wollte, war der meistgehörte Satz: Männer sind komisch, Frauen sind tragisch. Biologisch bedingt!» Gardi Hutter, Clownin

Comic aus „Eine Strassenumfrage“, 1970 von Serpentina Hagner, Comiczeichnerin

Die Herausgeberinnen

Dr. Isabel Rohner wurde 1979 in St. Gallen geboren. Sie studierte in Zürich und Köln Germanistik, Romanistik und Philosophie und promovierte in Giessen über die Werkrezeption der feministischen Pionierin Hedwig Dohm (1831–1919). Zusammen mit Nikola Müller gibt sie die Edition Hedwig Dohm heraus. Sie ist zudem die Autorin der Dohm-Biografie «Spuren ins Jetzt» sowie Herausgeberin und Initiatorin des Sammelbandes «100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht! … und weiter?» (beides Ulrike Helmer Verlag) über das Jubiläum in Deutschland. Zusammen mit der Politphilosophin Dr. Regula Stämpfli ist sie Host des wöchentlichen feministischen Podcasts «Die Podcastin».

Isabel Rohner (Foto: Christian Kruppa)

Irène Schäppi, geboren 1978 in St. Gallen, hat an der Universität Zürich Germanistik und Publizistik studiert und leitet seit 2009 das Beauty-Ressort von «20 Minuten». Damit gehört Irène Schäppi zu den wichtigsten Vertreterinnen des Schweizer Lifestyle-Journalismus. Als Frau für die Promi-Interviews – darunter unter anderen Hollywoodikone und Politaktivistin Jane Fonda – und internationale Beauty- sowie Lifestylereportagen ist sie bestens vernetzt, analog wie digital.

Irène Schäppi (Foto: Xandra M. Linsin)

50 Jahre Frauenstimmrecht – 25 Frauen über Demokratie, Macht und Gleichberechtigung, Herausgeberinnen Isabel Rohner / Irène Schäppi

Mit Porträts, Gesprächen und Beiträgen von Viola Amherd, Kathrin Bertschy, Margrith Bigler-Eggenberger, Adrienne Corboud, Fanni Fetzer, Fina Girard, Serpentina Hagner, Gardi Hutter, Cloé Jans, Anne-Sophie Keller, Bea Knecht, Elisabeth Kopp, Zita Küng, Lea Lu, Andrea Maihofer, Samira Marti, Christa Rigozzi, Ellen Ringier, Isabel Rohner, Irène Schäppi, Christine Schraner Burgener, Regula Stämpfli, Katja Stauber, Petra Volpe und Nathalie Wappler

Erschienen im Limmat-Verlag, November 2020

Andrea Maihofer und Zita Küng mit ihren Beiträgen sind Mitbegründerinnen und Vorstandsmitglieder vom Verein CH2021.

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Stimmrecht, Demokratie und die Frage nach der Perspektive

Das Frauenstimmrecht! Es verfolgt mich. Oft halte ich diskret den Mund, doch ab und zu geht es nicht anders und ich sage geradeaus, dass mich das Wort nervt. Dann muss ich etwas ausholen, damit es keine Missverständnisse gibt. Es ist, dies vorweg, absolut verständlich, dass dieser Begriff als allseits gebräuchlicher Mehrheitsbegriff in unserem Sprachgebrauch festsitzt. Aber…

Ich sehe sie jubeln, die grosse Schar der Siegreichen, an jenem Sonntagabend im Februar 1971. „Es ist geschafft, wir haben es, endlich, das Frauenstimmrecht, endlich auch in der Schweiz!“ Präziser: das Stimm- und Wahlrecht für Frauen, gutgeheissen von der Mehrheit der Schweizer Männer in einer eidgenössischen Volksabstimmung – eh, Männerabstimmung. Neu zählt staatsrechtliche Menschwerdung der Bevölkerungsmehrheit, Erwachsenenstimmrecht.

Nehmen wir es genau, so lässt sich sagen: Unsere gerne als älteste Demokratie Mitteleuropas bezeichnete Demokratie ist jung. Es gibt sie seit gerade mal 50 Jahren. Verwirrend? Gut möglich. Denn so denken wir nicht. Und sprechen wir nicht. Der Begriff Frauenstimmrecht ist ein gutes Beispiel dafür. Das Stimmrecht ist der allgemeine Begriff, das Frauenstimmrecht die spezifizierte Besonderheit. Das ist aber keine sachlich korrekte Wahrnehmung. Korrekt müssten wir bis 1971 vom Männerstimmrecht sprechen – spezifiziert für eine bestimmte Menschengruppe, die Schweizer Männer – und von da weg vom allgemeinen Stimmrecht oder kurz Stimmrecht. Die Männer sind nicht das Volk, auch nicht die Allgemeinheit. Ja, nicht einmal die Mehrheit.

Nun könnte eine solche Betrachtung als spitzfindig, als Wortklauberei ohne Bedeutung bezeichnet werden. Schön wäre es, es wäre so. Was als Gedankenspielerei, als nebensächlich oder auch als überholt erscheinen mag – haben wir nicht Wichtigeres zu tun? – ist das, was die androzentrische Perspektive ausmacht: der Blick auf die Welt aus männlicher Sicht. Sie ist uns so vertraut, so allgegenwärtig, dass die Wahrnehmung dafür weitgehend fehlt. Und beides – die einseitige Perspektive wie auch die fehlende Wahrnehmung – ist sehr wohl von Bedeutung.

Nochmals zu unserem Beispiel: Das Begriffspaar „Stimmrecht und Frauenstimmrecht“ kennzeichnet das Schauen aus der gewohnten, am Mann orientierten Optik, die androzentrische Perspektive: das Allgemeine und das Spezielle. Oder: die Norm und die Abweichung. Das Begriffspaar „Männerstimmrecht und Stimmrecht“ hingegen – wiewohl es ungewohnt, ja befremdlich wirken mag –   verweist auf die korrekte Sichtweise: hier die Männer, bis 1971, nachher die stimmberechtigte Allgemeinheit.

Was also, exemplarisch gezeigt, wie eine sprachliche Spitzfindigkeit wirken könnte, erweist sich – inhaltlich gesehen – als gravierende Fehlentwicklung im Hinblick auf Welterklärung. Eine Aussage der Sprachforscherin Luise F. Pusch lässt die Dimension der Schräglage erahnen, mit der wir es zu tun haben. Ihre Erkenntnis, sinngemäss wiedergegeben: „Es war ein genialer Schachzug, Männerdemokratie einfach Demokratie zu nennen, Männerforschung einfach Forschung, Männergeschichte einfach Geschichte, Männersprache einfach Sprache etc.“ Diese strukturellen Bedingtheiten verschwinden in den gegenwärtigen Zeiten des favorisierten Individualismus erst recht aus der gesellschaftspolitischen Betrachtung – auch in feministischen Auseinandersetzungen, will mir scheinen.

Sprachgepflogenheiten zu verändern ist nicht einfach. Auf individueller Ebene kann es fürs Erste genügen, wenn beim Wort Frauenstimmrecht – gehört oder gesprochen – vor dem inneren Auge ein Bild für die Schräglage aufscheint: Achtung Rutschgefahr, zum Beispiel.

Ingrid Rusterholtz, 1949, Lehrerin und Heilpädagogin, Dozentin, Gleichstellungsbeauftragte Basel-Stadt. Mit meinem Lebens- und Sharing-Partner zwei Töchter 1980/1982 und drei Grosskinder. Kurse, Referate, Aufsätze im Themenspektrum Schule, Sprache, Gewalt,  un-/bezahlte Arbeit, Gender und Perspektive.

 

50 Jahre Frauenstimmrecht 2021 – (k)eine Selbstverständlichkeit

Zu Beginn meiner Arbeit als Geschäftsführerin vom Verein CH2021 habe ich mich mit dem Thema Frauenstimmrecht vertraut gemacht. Die erste Überraschung war, dass die umliegenden Länder das Frauenstimmrecht viel früher erhalten hatten: Deutschland und Österreich 1918, Frankreich 1944 und Italien 1946. 50 Jahre Frauenstimmrecht sind also ziemlich jung. Ich habe mir auch Gedanken gemacht, wie das Stimmrecht und die Gleichberechtigung mein Leben beeinflusst haben.

Eine bleibende Erinnerung ist auf jeden Fall die Abstimmung vom 7. Juni 1970, die «Schwarzenbach-Initiative» zur sogenannten Überfremdung der Schweiz. Ich war zwar erst 4 Jahre alt, doch ich bekam die Anspannung und Angst trotzdem mit. Meine Eltern waren in den 50er Jahren zum Arbeiten aus Italien in die Schweiz gekommen; ich bin also eine sogenannte «Seconda». An diesem Sonntag sassen wir gebannt vor dem Radio und warteten auf das Resultat. Wir hatten Angst, dass wir die Koffer packen müssen und zurück in das Land sollten – ein Land, welches ich kaum kannte. Die Vorlage wurde zum Glück abgelehnt, doch das Gefühl, dass wir nicht willkommen waren, blieb lange Zeit bestehen.

Nach der obligatorischen Schule entschied ich mich für eine Lehre als Schriftsetzerin. Damals wurde dieser Beruf von Männern dominiert. Das erste halbe Jahr durfte ich noch die Kunst des Bleisatzes erlernen, dabei waren die schweren Druckformen oft eine körperliche Herausforderung. Als ich Jahre später als Produktionsleiterin in der Werbebranche arbeitete, musste ich zur Druckabnahme einer Zeitschrift oft spätabends in die Druckerei (die Druckmaschinen laufen auch nachts). Die meist gestandenen Männer waren manchmal überrascht, wenn da eine Frau kam. Als ich das erste Mal die Maschinen stoppen liess, weil ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden war, haben mich die Herren ziemlich kritisch beäugt, doch am Schluss behielt ich recht; die Qualität war nicht perfekt.

1982 absolvierte ich einen Kurs als Sportjournalistin. Wir waren damals nur drei Frauen und beinahe 60 Männer. Meinen Traum Sportjournalistin zu werden, habe ich leider rasch begraben. Die Hürden waren zu dieser Zeit immens, Frauen als Sportjournalisten gab es damals praktisch noch nicht. Ich schrieb vorwiegend über Eishockey und Fussball, das war dann sowieso überhaupt nicht gern gesehen.

Meine Leidenschaft für Fussball hat es mit sich gebracht, dass ich mit Frauenfussball begonnen habe. Dieser steckte damals noch in den Anfängen und es waren nur wenige Teams, die an der Meisterschaft teilgenommen haben. Heute ist der Frauenfussball etwas populärer, aber noch immer wird dieser belächelt. Aktuell findet im FCZ Museum eine Sonderausstellung zum 50-jährigen Frauenfussball-Jubiläum in der Schweiz statt.

Rückblickend muss ich sagen, dass ich keine Erklärung dafür habe, wieso ich an klassischen «Männerberufen» oder an «Männersportarten» Gefallen fand.

Was das Stimmrecht angeht, so musste ich lange auf die Gelegenheit warten abstimmen zu dürfen. Als Ausländerin, die in der Schweiz geboren ist und hier die Schulen besucht hat, stand für mich irgendwann fest, dass ich und meine Familie das Schweizer Bürgerrecht beantragen sollten. Die Hürden für diesen Schritt waren hoch und die Behandlung war oft auch erniedrigend, wir mussten dafür kämpfen. Es war dann ein besonderer Moment, als ich zum ersten Mal das graue Abstimmungscouvert per Post auf meinen Namen erhielt.

Als meine ältere Tochter kurz nach ihrem 18. Geburtstag ihre Abstimmungsunterlagen erhielt, war ich froh, dass ihr vor 50 Jahren der Weg geebnet wurde und sie als Frau von heute nicht mehr dafür kämpfen muss.

Vergessen wir aber nicht, wie beschwerlich der Weg zum Frauenstimmrecht oder zum Stimmrecht allgemein war und immer noch ist. Auch der Weg zur Gleichstellung ist immer noch ziemlich lang und leider auch heute immer wieder eine Herausforderung.

Anfänge des Frauenstimmrechts in der reformierten Kirche

Jahrzehnte vor der Einführung des Frauenstimmrechts auf nationaler und kantonaler Ebene gab es in der Schweiz Kirchen und Kirchgemeinden, die ihren weiblichen Mitgliedern das Stimmrecht gaben. Als allererste Kirche in der Schweiz führte die Eglise évangélique libre de Genève 1891 das Frauenstimmrecht ein. Die Eglise évangélique libre war in den 1840er-Jahren aus der Genfer Erweckungsbewegung entstanden. In der Revision ihrer Constitution erwähnte sie 1891 explizit, dass ihre Assemblée, aus allen Mitgliedern – „frères et soeurs“ – bestehe. Sie alle wählten die pasteurs, anciens et diacres in ihre kirchlichen Ämter. Damit hatten die Frauen erstmals in der Schweiz in kirchlichen Angelegenheiten das aktive Stimmrecht erlangt.

Im Kanton Zürich gab es 1902 einen Vorstoss, um das kirchliche Frauenstimmrecht einzuführen. Emma Boos-Jegher brachte die Frage auf. Sie hatte unter anderem 1887 zu den Gründerinnen des Zürcher Frauenbundes zur Hebung der Sittlichkeit gehört, dem heutigen Evangelischen Frauenbund Zürich, einem Mitgliedverband der Evangelischen Frauen Schweiz. In ihrer Funktion als Präsidentin der Union für Frauenbestrebungen, reichte Boos-Jegher eine Eingabe an den Kantonsrat des Kantons Zürich zum Stimmrecht von Frauen in kirchlichen Angelegenheiten ein. Damals wurde das Kirchengesetz des Kantons Zürich überarbeitet. In diesem Zusammenhang argumentierte Boos-Jegher für die Einführung des Frauenstimmrechts in der Zürcher Landeskirche. Die Zürcher Landeskirche meldete anschliessend in den 1910er-Jahren bei der Zürcher Regierung ihren Wunsch nach Einführung des Frauenstimmrechts an. Das Begehren versandete allerdings während des Ersten Weltkriegs und 1923 lehnten die Stimmbürger im Kanton Zürich ein Gesetz ab, das den Frauen das Wahlrecht in Kirchen-, Schul- und Armenpflegen geben wollte.

Anfang der 1930er gab es einen neuen Anlauf, um das kirchliche Frauenstimmrecht in Zürich einzuführen. Inzwischen hatten die Landeskirchen in Genf, Waadt, Baselstadt, Bern, Aargau, Thurgau und Graubünden Regelungen zum kirchlichen Frauenstimmrecht erlassen. In einigen Kantonalkirchen hatten die Frauen das aktive und das passive kirchliche Frauenstimmrecht erreicht, in anderen nur das aktive Stimmrecht und in wieder anderen wie Bern, war es den einzelnen Kirchgemeinden freigestellt, ob sie ihren weiblichen Mitgliedern das Stimmrecht gewähren wollten. Definitiv eingeführt wurde das kirchliche Stimm- und Wahlrecht für Frauen im Kanton Zürich allerdings erst 1963, acht Jahre vor der Einführung des Frauenstimmrechts auf nationaler Ebene.

Edith Siegenthaler, Dr. phil. hist., Leiterin Geschäftsstelle Evangelische Frauen Schweiz EFS

Quellen und Literatur:

  • Brocher, Emile: Notice sur l’église évangélique libre de Genève publiée à l’occasion du cinquantenaire de sa fondation. Genève 1899.
  • Eidgenössische Kommission für Frauenfragen (EKF): Frauen Macht Geschichte 2.2. Politische Teilrechte für Frauen in Kantonen und Gemeinden. www.ekf.ch
  • Locher, Albert: Vom Frauenstimmrecht insbesondere in kirchlichen Angelegenheiten. Zürich 1903.